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Brüssel genehmigt Atom-Subventionen

Brüssel/Münster – Frankreichs Atomkonzern Areva ist finanziell schwer angeschlagen. Die EU-Kommission hat jetzt den französischen Plan abgesegnet, Teile des staatlichen Konzerns Areva dem ebenfalls in Staatsbesitz befindlichen Versorger EDF zuzuschlagen und dies mit Steuer-Milliarden zu flankieren. Doch der Plan könnte noch scheitern.

Areva ist seit Jahren in finanzieller Schieflage und soll eine Finanzspritze von 4,5 Milliarden Euro vom französischen Staat erhalten. Die Kommission hat den französischen Umstrukturierungsplan nun unter Bedingungen zugestimmt. Doch letztlich findet nur eine Verschiebung des Problems von einem staatlichen Unternehmen in ein anderes Staatsunternehmen statt.

Kommission segnet staatliche Milliarden-Hilfen ab

Die Europäische Kommission hat dem bis 2019 laufenden Umstrukturierungsplan für Areva zugestimmt. Damit können französische Steuermittel in Höhe von 4,5 Mrd. Euro an die mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Areva fließen. Der Plan sieht eine Aufspaltung Arevas mit mehreren Veräußerungen vor. Areva wird dabei das Kernreaktorgeschäft an den ebenfalls im Staatsbesitz befindlichen französischen Energieversorger EDF verschieben. Seine Anteile an Adwen, dem Joint Venture mit dem spanischen Hersteller von Windenergieanlagen Gamesa für den Sektor der Offshore-Windenergie, hat Areva bereits an Siemens verkauft.

Areva zukünftig für Urangeschäft zuständig

Areva wird sich in Zukunft auf den Bereich des Kernbrennstoffkreislaufes konzentrieren, also die Gewinnung, Aufbereitung und Entsorgung von Uran. Dieses Geschäftsmodell ist aus Sicht der Kommission tragfähig, was staatliche Umstrukturierungs-Beihilfen rechtfertigt. Areva steckt seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten, wie auch die Kommission attestiert. Hinzu kommen hausgemachte Probleme durch die Kostenexplosionen von Arevas Atomkraftwerk(AKW)-Neubauten.

Kosten geraten bei Arevas AKW-Neubauten außer Kontrolle

Seit Jahren baut Areva an vier neuen Atomreaktoren. Während über die beiden in China entstehenden AKW (Taishan 1 und 2) nicht viel bekannt ist, sprengen die europäischen Neubauten jeden Zeit- und Kostenplan. Bereits seit Sommer 2005 baut Areva mit dem damaligen Partner Siemens am finnischen AKW Olkiluoto. Das Projekt wurde Finnland zu einem Festpreis von rd. drei Mrd. Euro angeboten und kostet inzwischen 10,5 Mrd. Euro. Die Inbetriebnahme war für 2009 vorgesehen, inzwischen ist sogar der Termin Ende 2018 fraglich.

Nicht besser steht es um den Neubau Flamanville III in der Normandie, den Areva seit 2007 für das französische Staatsunternehmen EDF baut. Ursprünglich sollte der Reaktor 3,3 Mrd. Euro Kosten und 2012 fertiggestellt sein. Nach mehreren Verzögerungen werden nun auch hier Kosten von 10,5 Milliarden Euro und die Fertigstellung im Jahr 2018 erwartet. Zuletzt waren Probleme mit dem Reaktorbehälter, dem Kernstück der Anlage, bekannt geworden.

Frankreich verschiebt Atom-Problem von einem Staatskonzern zum nächsten

Die Entwicklung und der Zeitpunkt der Fertigstellung der beiden AKW-Projekte sind für Arevas finanzielle Situation entscheidend. Die Kommission knüpft ihre Genehmigung für die Staatsmittel daher u.a. an die erfolgreiche Überprüfung von Flamanville III durch die französische Behörde für nukleare Sicherheit. Vorher darf die Staatshilfe nicht ausgezahlt werden. Gleichwohl genehmigte die Kommission schon einmal vorweg ein Überbrückungs-Darlehen Frankreichs in Höhe von 3,3 Milliarden Euro.

© IWR, 2017

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