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Atommüll: Deutsche können sich zu Schweizer Standortsuche äußern

Berlin – Während Deutschland den Standort für ein Atommüllendlager planmäßig bis zum Jahr 2031 finden will, sind die deutschen Nachbarn schon weiter. In Frankreich hat das Parlament bereits 2016 einen Entschluss gefasst und auch die Schweiz ist schon mitten drin in der Suche. Nun wollen die Schweizer dabei die Meinungen aus Deutschland anhören.

Im Rahmen der in der Schweiz stattfindenden Suche nach einem Endlagerstandort für radioaktive Abfälle kann auch die deutsche Öffentlichkeit zu den möglichen Standortgebieten Stellung nehmen. Deutsche Bürger haben vom 23. November 2017 bis zum 9. März 2018 die Möglichkeit, sich an dem öffentlichen Anhörungsverfahren zu beteiligen.

BfE koordiniert Öffentlichkeitsbeteiligung in Deutschland
Am Donnerstag (23.11.2017) startete die dreieinhalbmonatige Frist für deutsche Bürger, sich zur Atommüll-Endlagersuche in der Schweiz zu äußern. Die Einwendungen finden Berücksichtigung bei der Entscheidung des Schweizer Bundesrats über die Standorte der künftigen Tiefenlager. Das neue deutsche Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) koordiniert auf deutscher Seite die Interessen von Bevölkerung und Behörden, leitet die Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung in Deutschland ein und wird gegebenenfalls selbst Einwendungen erheben. Das BfE wird zudem Ende 2018 in Waldshut im Südwesten Baden-Württembergs eine Informationsveranstaltung zum Anhörungsverfahren durchführen.

Schweizer haben sechs Standorte herausgefiltert
In der Schweiz wird seit 2008 nach jeweils einem Endlager für schwach- und mittelradioaktive sowie für hochradioaktive Abfälle gesucht und befindet aktuell in der sogenannten Etappe 2. Derzeit gibt es sechs mögliche Standorte für ein Tiefenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle: Jura-Südfuss, Südranden, Wellenberg, Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost. Die drei letztgenannten Standorte kommen zusätzlich auch für eine Einlagerung hochradioaktiver Abfälle infrage und sollen nach dem aktuellen Stand in Etappe 3 vertieft untersucht werden.

Neben den Bürgern aus Deutschland können auch der Staat, einzelne Bundesländer und Gemeinden Einwendungen zu sämtlichen Dokumenten einreichen, die im Rahmen der Etappe 2 der Schweizer Standortsuche erstellt wurden. Die wesentlichen Unterlagen liegen in Deutschland in den Bibliotheken des Bundesumweltministeriums aus. Die Papiere können zudem in den Ämtern der Landkreise eingesehen werden, die unmittelbar an die möglichen Standortgebiete angrenzen.

Frankreich: Parlament hat 2016 für Standort in Lothringen gestimmt
Auch in Frankreich hat die Suche nach einen Endlager für Atommüll bereits erste Ergebnisse gebracht. Im Jahr 2016 hat das französische Parlament den Standort des geplanten französischen Atomendlagers nahe der deutschen Grenze genehmigt. Schon 2030 könnte der erste hochradioaktive Müll aus dem Atomkraftwerken in Frankreich nahe dem Dorf Bure in Lothringen im Osten des Landes unweit der deutschen Grenze eingelagert werden.

© IWR, 2017


24.11.2017