Energiefirmen.de

Branchenportal der Energiewirtschaft

PlanET 4 1280 256

China kündigt Drosselung des PV-Ausbaus an

© Turi - Fotolia© Turi - Fotolia

Münster – Die chinesische Regierung hat gravierende Einschnitte an ihrer nationalen Solarpolitik beschlossen. Bereits in diesem Jahr dürfte es auf dem chinesischen Markt zu einem deutlichen Zubaurückgang kommen.

Angesichts der angekündigten Kürzungen des chinesischen PV-Ausbaus befürchten chinesische Solarunternehmen harte Auswirkungen für die Industrie. Im regenerativen Aktienindex RENIXX gehen Solartitel auf Tauchstation.

China plant Deckelung bei Großanlagen und dezentralen Anlagen
Am letzten Freitag (01.06.2018) haben Chinas Nationale Entwicklungs- und Reform-Kommission (NDRC), das Finanzministerium (MOF) und die National Energy Administration (NEA) gemeinsam die „2018 Solar PV Power Generation Notice“ herausgegeben. Darin wird eine neue Politik für den PV-Sektor mit deutlichen Kürzungen der Vergütungen und eine Kappung des PV-Ausbaus angekündigt. So soll das im letzten Jahr von der NEA für 2018 ausgegebene Ausbauziel von 13.900 MW für PV-Großanlagen aufgehoben werden. Zudem wird für das Segment der dezentralen PV-Anlagen eine Kappungsgrenze von 10.000 MW für 2018 eingezogen. Nur die privaten PV-Dachanlagen zur Elektrifizierung im Rahmen der Armutsbekämpfung bleiben bei den Kürzungen außen vor.

Das Solar-Marktforschungsinstitut Asia Europe Clean Energy Advisory (AECEA) hat vor dem Hintergrund der neuen chinesischen Solarpolitik seine Ausbauprognose für das laufende Jahr von 40.000 bis 45.000 Megawatt (MW) auf 30.000 bis 35.000 MW reduziert, bezeichnet diese Größenordnung aber noch als optimistisch. Für die verbleibenden zwei Jahre des 13. Chinesischen Fünf-Jahres-Planes (2016 – 2020) geht AECEA davon aus, dass sich der Jahreszubau in China bei 20.000 bis 25.000 MW bewegt.

Chinesische Solarindustrie befürchtet schwere Schäden
In der chinesischen Solarindustrie sorgen die Regierungspläne für einen Aufschrei. Elf chinesische Solarunternehmen haben sich Medienberichten zufolge in einem Schreiben an die Regierung gewendet, um die offensichtlich unerwarteten Einschnitte zu verschieben und die Deckelung der Kapazitäten abzumildern. Aus Sicht der Unternehmen werden die Vergütungskürzungen und die Ausbaudeckelung die ohnehin schon finanziell angeschlagene Solarindustrie hart treffen. Es wird erwartet, dass im Zuge der nachlassenden Nachfrage nach PV-Projekten auch die Preise für Solarmodule weiter zurückgehen.

Solartitel im RENIXX stark unter Druck
Im regenerativen Aktienindex RENIXX World wird der Schwenk in der chinesischen Solarpolitik deutlich erkennbar. Seit Ankündigung der Kurskorrektur am 01.06.2018 stehen vor allem die Aktien von Solarherstellern unter Druck. Besonders stark eingebrochen ist der Kurs der chinesischen Jinkosolar, der um 32 Prozent auf 10,27 Euro nachgegeben hat. Hohe Kursverluste verzeichnen auch das kanadisch chinesische Solarunternehmen Canadian Solar (-24,5 Prozent; 10,64 Euro) und der US-Hersteller von Dünnschicht-Technik First Solar (-19,6 Prozent; 49,96 Euro). Der deutsche PV-Systemanbieter SMA Solar verliert 7,3 Prozent auf 47,78 Euro und der Kurs von Solaredge hat bislang um 7,1 Prozent auf aktuell 45,41 Euro nachgegeben.


© IWR, 2018


07.06.2018