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Elektromobilität in Deutschland fehlt Dynamik

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Münster – Die Elektromobilität in Deutschland nimmt nur langsam Fahrt auf. Das Ziel der Bundesregierung, dass bis 2020 eine Million E-Autos auf den Straßen verkehren, wird wohl deutlich verfehlt. Einige Bewegungen im Markt sind trotzdem erkennbar.

Die Elektromobilität in Deutschland ist von einer Alltags-Normalität noch weit entfernt. Teure Eletroautos, Reichweiten-Debatte der Batterien, zu wenig Ladepunkte, langsames Stromtanken, komplizierte Abrechnungen und die Diskussionen um eine Battteriezellenproduktion stehen derzeit im Fokus. An vielen Ecken und Enden wird gestrickt.

BMWi lotet Fertigung von Batteriezellen an Standort in Deutschland aus
Die Marke von eine Million Elektroautos bis 2020 in Deutschland wird nach Einschätzung von Experten der Nationalen Plattform Elektromobilität verfehlt und wohl erst im Jahr 2022 zu erreichen sein. Parallel zum Ausbau der Nutzung von Elektromobilität plant die Bundesregierung den Aufbau von Batteriefertigungskapazitäten in Deutschland zu subventionieren. Wie das BMWi auf Anfrage von IWR Online mitteilte, werden derzeit die Möglichkeiten der Ansiedlung einer Batteriezellfertigung in Deutschland ausgelotet. Das BMWi sei dazu in Gesprächen mit allen Beteiligten. Entscheidungen sind allerdings noch nicht gefallen.

In der Zulieferer-Industrie ist die Haltung gegenüber einer nationalen Batteriezellen-Produktion eher skeptisch. Bosch will sich zwar auf Batterien konzentrieren, hat aber den Plänen zur Beteiligung an einer Zell-Produktion aus wirtschaftlichen Gründen eine Absage erteilt. Neun von zehn Batteriezellen auf dem Weltmarkt werden in den Werken von Unternehmen wie Samsung, Panasonic oder CATL aus China produziert, so Bosch gegenüber dem Handelsblatt. Weil drei Viertel der Wertschöpfung auf Materialkosten entfallen, "bleibe nur ein geringer Teil, um Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten."

Deutsche Automobilhersteller hinken mit E-Autos hinterher
Auch wenn deutsche Automobilhersteller das Thema auf der Agenda haben, verläuft die Entwicklung in der öffentlichen Wahrnehmung im Vergleich zu Unternehmen wie Tesla (USA) oder BYD (China) bislang schleppend. Im Zuge des Ausbaus der Elektromobilitätssparte hat VW jetzt die Kampagne „Electric for all“ gestartet. Ziel ist es zwar, attraktive, preiswerte Modelle zu produzieren und dem E-Auto zum Durchbruch zu verhelfen. Mit dem Volkswagen ID soll das erste Modell der neuen Reihe aber erst ab Ende 2019 in Zwickau gebaut werden.

Aber auch bei anderen Herstellern ist durchaus Bewegung zu erkennen. So entwickelt BMW mit Blick auf maximale Flexibilität und Kostensenkung derzeit die Fahrzeugarchitekturen und die Produktion so weiter, dass auf den selben Bändern wie bisher sowohl Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor als auch Plug-in Hybride oder vollelektrische Fahrzeuge gefertigt werden können. Auch Daimler setzt auf Elektromobilität und präsentiert neue E-Modelle. Weitgehend unbemerkt hat Daimler weltweit mittlerweile acht eigene Batterieproduktions-Standorte entweder bereits in Betrieb genommen oder arbeitet an der Umsetzung.

Ausbau der Ladesäulen-Infrastruktur verläuft schleppend
Hemmschuh für die Nutzung von Elektroautos in Deutschland sind derzeit u.a. der Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur und ein langsamer Landevorgang. Zwar ist beispielsweise mit dem von der EU unterstützten europäische Projekt MEGA-E (Metropolitan Greater Areas Electrified) der Aufbau von 322 Standorten mit ultraschnellen Ladesäulen inklusive 39 multimodaler Charging Hubs in mindestens zehn europäischen Metropolen geplant, aber es bedarf zahlreicher solcher Initiativen, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen.

Auch als hinderlich für den flächendeckenden Ausbau des Ladenetzes in Deutschland erweist sich aus Sicht von Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung, das unzureichende Angebot an preislich attraktiven Fahrzeugen. Wenn die Elektromobilität in Deutschland in den nächsten Jahren den Durchbruch schaffen soll, müsse die Automobilindustrie aus Sicht des BDEW-Vorsitzenden endlich Modelle auf den Markt bringen, die in Preis und Leistung mit Verbrennern konkurrieren können. Zudem müsse das Laden vereinfacht werden. „Der Ladevorgang muss so unkompliziert und schnell wie möglich von statten gehen. Mit Hilfe digitaler Technologien können Komfort und Kundenservice an der Ladesäule weiter verbessert werden. Auch intelligente Ladetarife werden so möglich“, so Kapferer.

© IWR, 2018


20.09.2018

 




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