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Monitoringbericht 2020: mehr Erneuerbare Energien - weniger Kohle - RWE vor Marktbeherrschung?

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Bonn - Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur (BNetzA) haben den Monitoringbericht 2020 zur Entwicklungen auf den deutschen Elektrizitäts- und Gasmärkten im Jahr 2019 vorgelegt. Aufgrund des Rückgangs der fossilen Kraftwerkskapazitäten sehen sie RWE perspektivisch an der Schwelle zur Marktbeherrschung.

Im Monitoringbericht 2020 analysieren BNetzA und Bundeskartellamt die deutschen Strom- und Gasmärkte im Jahr 2019. Insgesamt sehen sie Fortschritte beim Umstieg auf erneuerbare Energien in der Stromerzeugung, mahnen für den Stromerzeugungsmarkt vor einer möglichen marktbeherrschenden Stellung von RWE. BDEW und VKU fordern in ihren Stellungnahmen eine Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung sowie Diskussionen über das künftige Strommarktdesign.

Rückgang der konventionellen Stromerzeugung setzt sich fort
Bei der konventionellen Stromversorgung hat sich gemäß Monitoringbericht der Rückgang weiter fortgesetzt. Während die konventionelle Erzeugung 2019 insgesamt um 13 Prozent zurückgegangen ist, liegt der Rückgang der Kohleverstromung bei 27 Prozent. Entsprechend der Vorgaben des Gesetzes zur Reduzierung und zur Beendigung der Kohleverstromung (KVBG) wird sich der Rückgang der konventionellen Stromversorgung künftig weiter fortsetzen. Als Ergebnis des ersten Ausschreibungsverfahrens haben Kohlekraftwerke mit einer Leistung von knapp 5 GW ihre Kohlestromvermarktung zum Jahreswechsel eingestellt. Die Betreiber können in diesen Anlagen mit anderen Brennstoffen erzeugten Strom weiterhin vermarkten oder die Anlagen stilllegen.

Neben diesen knapp 5 GW Kapazitäten mit Kohlestromvermarktungsverbot gehen bis Ende 2023 mit zusätzlichen Anlagen nach dem KVBG (mindestens 4 GW), den verbliebenen Kernkraftwerken (rd. 8 GW) und den Braunkohlekraftwerken in der Sicherheitsbereitschaft (über 2 GW) mindestens weitere 14 GW aus dem Markt oder werden durch andere Energieträger ersetzt. Für denselben Zeitraum wurden der BNetzA insgesamt nur Inbetriebnahmen (im Probebetrieb oder im Bau befindliche Anlagen) mit einer Leistung von insgesamt ca. 2 GW gemeldet.

Strom: Verschiebungen in der Akteursstruktur - RWE perspektivisch vor Marktbeherrschung
Bei insgesamt rückläufigen Marktanteilen der größten fünf Stromerzeuger haben sich die relativen Gewichte in dieser Gruppe verschoben. Marktführer ist weiterhin RWE mit weitem Abstand vor den anderen Unternehmen. Zusätzlich zu den im Monitoringbericht ermittelten Marktanteilen bei der Stromerzeugung bedarf es indes weitergehender Analysen, um die Marktpositionen der großen Stromerzeuger zu bewerten, so der Präsident des Bundeskartellamts Andreas Mundt.

„Die weitere Entwicklung auf dem Stromerzeugungsmarkt ist entscheidend von der Energiewende geprägt. Durch den fortschreitenden Rückgang an Erzeugungskapazitäten und die damit einhergehende Marktverknappung könnte RWE perspektivisch die Schwelle zur Marktbeherrschung überschreiten“, fürchtet Mundt.

Entwicklung bei Erneuerbaren Energien - Kosten für Abregelung sinken
Die Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energieträger ist in 2019 etwas stärker gestiegen als im vergleichsweise schwachen Jahr 2018. Insgesamt stieg der Anteil von Strom aus Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch auf 42 Prozent. Trotz eines deutlichen Anstiegs des Volumens der Abregelung von Erneuerbaren Anlagen aufgrund von Netzengpässen im Vergleich zum Vorjahr sind die Gesamtkosten für Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Systemsicherheit 2019 von 1,48 Mrd. Euro in 2018 auf 1,28 Mrd. Euro gesunken.

BDEW: Versorgungssicherheit braucht weitere Entscheidungen
Auf der Basis des jetzt vorgelegten Monitoringberichtes von BNeztA und Bundeskartellamt sieht der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) Fortschritte beim Umbau der Stromerzeugung in Deutschland. Es dürfe allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass in vielen konventionellen Kraftwerken neben Strom auch Wärme produziert wird. Diese Kraftwerke liefern vor allem in städtischen Gebieten einen wichtigen Beitrag zur Wärmeversorgung.

„Hier rennt uns nun die Zeit für einen rechtzeitigen Neubau oder für eine Kraftwerks-Umrüstung davon, da solche Maßnahmen bei Kraftwerken mit Wärmeauskopplung mehrere Jahre in Anspruch nehmen“, mahnt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Um auch in Zukunft die Versorgungssicherheit – bei der Strom- und der Wärmeversorgung - und gleichzeitig die weiteren erforderlichen Kraftwerksstillegungen zu gewährleisten, brauche es zwingend weitere wichtige Entscheidungen. Die Bundesregierung müsse mehr Anreize für den Bau neuer KWK-Anlagen auf Basis von Gas schaffen, so Andreae. Auch beim Erneuerbaren-Ausbau müsse das Tempo weiter erhöht werden - insbesondere mit Blick auf die ehrgeizigeren EU-Ziele für 2030, fordert Andreae von der Bundesregierungen Nachbesserungen an der EEG-Novelle im ersten Quartal 2021.

VKU fordert zügige Aufnahme der Diskussion um künftiges Strommarktdesign
Auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert für das Erreichen der Klimaziele deutlich mehr Anstrengungen beim Ausbau der erneuerbaren Energien und Anpassungen am Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz. Die Versorgungssicherheit mit Strom und Wärme werde wesentlich davon abhängen, dass kommunale Unternehmen in die Modernisierung und den Neubau hocheffizienter Kraftwerke und in die Dekarbonisierung der Wärmeversorgungsnetze investieren.

Aufgrund der Errichtungsdauer neue Kraftwerke muss der Gesetzgeber kurzfristig verbesserte Rahmenbedingungen schaffen, so VKU-Geschäftsführer Ingbert Lieging. Zusätzlich müssten zu Beginn der kommenden Legislaturperiode die Diskussionen zum Strommarktdesign wieder aufgenommen werden. Gesicherte Leistung brauche einen angemessenen Preis, so Liebing weiter.


© IWR, 2021


28.01.2021

 



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