Energiefirmen.de

Branchenportal der Energiewirtschaft

PlanET 4 1280 256

Briten schalten zwölf Atomkraftwerke trotz Energiekrise bis 2028 ab

© EDF Energy© EDF Energy

Münster – Großbritannien befindet sich trotz der Energiekrise in Mitten einer großen Abschaltungswelle von Atomkraftwerken, die nach derzeitigen Planungen bis 2028 läuft. Parallel dazu schreitet der Bau des neuen Ersatz-Atomkraftwerks Hinkley Point C voran, der Termin für die Fertigstellung verschiebt sich jedoch regelmäßig nach hinten, auch die Kosten steigen weiter.

In Großbritannien ist in diesem Jahr bereits das dritte Atomkraftwerk vom Netz genommen und endgültig abgeschaltet worden. Eine AKW-Laufzeitverlängerung wird es in Großbritannien nicht geben. Die britische Regierung zieht in Betracht, gegebenenfalls mehr Kohlekraftwerke einzusetzen bzw. diese länger laufen zu lassen.

Großbritannien schaltet zwölf Atomkraftwerke bis 2028 ab
Der französische Betreiber der britischen Atomkraftwerke, die EDF Energy, schaltet zwischen 2021 und 2028 insgesamt 12 britische Atomkraftwerke mit einer Bruttoleistung von 6.500 MW ab. Betroffen sind die im vergangenen Jahr 2021 stillgelegten Atomkraftwerke Dungeness B-1 und Dungeness B-2 in Kent mit einer Bruttoleistung von je 615 MW sowie das schottische AKW Hunterston B-1 (644 MW). Im Jahr 2022 folgte dann bisher die Stilllegung von weiteren drei Atomkraftwerken, das sind Hunterston B-2 (644 MW) in Schottland sowie im Juli 2022 das AKW Hinkley Point B-2 (655 MW). Die jüngste AKW-Schließung folgte jetzt am 01. August 2022 für das Atomkraftwerk Hinkley Point B-1 (655 MW).

Im Jahr 2024 werden dann vier weitere AKW-Abschaltungen folgen, die beiden Atomkraftwerke Hartlepool A1 und A2 in Teesside (je 655 MW) und die beiden Blöcke Heysham B1 und B2 (je 680 MW) in Lancashire.

Die zwei letzten Schließungen dieser Abschaltungswelle britischer Atomkraftwerke betreffen die beiden Kernkraftwerke Torness-1 und Torness-2 mit je 682 MW Leistung im Jahr 2028. Die Laufzeit dieser Atomkraftwerke war ursprünglich bis 2030 vorgesehen, auf Grund der Risse im Graphitkern ist der Abschaltungstermin um zwei Jahre auf 2028 vorgezogen worden.

Britischer AKW-Betreiber EDF Energy schließt AKW-Laufzeitverlängerung aus
So wie in Deutschland wird auch in Großbritannien eine AKW-Laufzeitverlängerung der zur Abschaltung vorgesehenen Atomkraftwerke diskutiert. Kreise aus Politik und Wirtschaft plädieren wegen der Energiekrise für eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten, doch der französische AKW-Betreiber EDF Energy hat Sicherheitsbedenken. Das Problem sind im Laufe der Betriebszeit zunehmend auftretende Risse im Graphitkern der Atomkraftwerke dieses Typs, die ab einem bestimmten Schwellwert den Weiterbetrieb aus Sicherheitsgründen nicht mehr ermöglichen.

Ersatz-Atomkraftwerke Hinkley Point C wird nicht vor 2027 fertig
Seit der Freigabe durch den EDF-Verwaltungsrat 2016 baut der französische Energiekonzern EDF das Ersatz-Atomkraftwerk Hinkley Point C. Das Atomkraftwerk besteht aus zwei Blöcken (C-1 und C-2) mit je 1.600 MW Netto-Leistung (Brutto: 1.720 MW). Ursprünglich sollte das Atomkraftwerk 2023 fertiggestellt sein, doch die Bauarbeiten verzögern sich und die Kosten steigen. Derzeit wird mit einer Fertigstellung nicht vor 2027 für den ersten AKW-Block gerechnet, d.h. einer Bauzeit von mindestens 10 Jahren. Zuletzt hatte EDF den Beginn der Stromerzeugung für den AKW-Block 1 auf den Juni 2027 terminiert. Doch das Risiko einer Verzögerung für die beiden Blöcke schätzt EDF aktuell auf weitere 15 Monate.

Die Projektkosten für den Bau des Atomkraftwerks sind von EDF weiter angehoben worden. Ursprünglich sollte der AKW-Bau einmal 16 Mrd. Pfund (£) kosten, derzeit sind es 25 bis 26 Mrd. Pfund (in Preisen von 2015: 1 £ = 1,23 Euro), d.h. aktuell über 30 Milliarden Euro.

Die Risiken für den Bau und Betrieb des Atomkraftwerks Hinkley Point C teilen sich der britische und französische Steuerzahler. Die Mehrkosten für den AKW-Bau Hinkley Point C nagen zunächst an der Rendite des AKW-Projekts, am Ende gehen sie aber zu Lasten des französischen Steuerzahlers, denn der französische Energieversorgers EDF befindet sich mehrheitlich in staatlichem Besitz. Jüngst war bekannt geworden, dass die französische Regierung den Energieversorger EDF sogar komplett verstaatlichen will.

Die britischen Steuerzahler tragen nicht das Baurisiko, sondern über einen staatlich garantieren Mindestpreis für den Atomstrom das Marktrisiko. EDF Energy erhält vom britischen Staat danach eine Mindestvergütung für den Atomstrom in Höhe von 9,25 £/MWh (deutlich über 10 ct/kWh) zuzüglich eines Inflationsausgleichs über 35 Jahre. Die Stromerzeugung aus britischen Atomkraftwerken ist damit etwa doppelt so teuer wie die aus Wind- und Solarkraftwerken.

© IWR, 2022


08.08.2022

 



Jobs & Karriere - Energiejobs.de
Veranstaltungen - Energiekalender.de

Pressemappen - mit Original-Pressemitteilungen