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Strom- und Gaspreise in Deutschland geben deutlich nach

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Münster, Heidelberg - Die Strom- und Gaspreise sind nach dem heftigen Preisanstieg im Sog des massiven Ausfalls französischer Atomkraftwerke und des Ukraine-Kriegs auf einen deutlichen Entspannungskurs eingeschwenkt. Aufgrund der niedrigeren Beschaffungskosten sinken die Strom- und Gaspreise. Das zeigen jetzt auch die Preise für Neukunden von Strom- und Gasversorgern.

Nach den Turbulenzen um das Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichtes war die Verunsicherung über die Entwicklung der Energiepreise in Deutschland groß. Ein Blick auf die Großhandelsstrompreise, die im Dezember 2023 auf den niedrigsten Stand seit Mai 2021 gesunken sind, hat Befürchtungen vor steigenden Strom- und Gaspreisen bereits den ersten Wind aus den Segeln genommen. Zu Recht, wie eine Auswertung der Strom- und Gaspreise für Neukunden des Vergleichsportals Verivox zeigt.

Strompreise für Neukunden um mehr als ein Drittel gesunken
Nach der Analyse von Verivox sind die die Strompreise für Neukunden innerhalb der letzten 12 Monate um 38 Prozent gesunken. Die Erhöhung der Stromnetzgebühren und des CO2-Preises haben angesichts der niedrigeren Großhandelspreise nicht zu einem Anstieg der Neukundenpreise geführt.

Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh bezahlte im Januar 2023 laut Verivox bei Neuabschluss im günstigsten verfügbaren Stromtarif mit Preisgarantie im bundesweiten Durchschnitt 1.657 Euro. Im Januar 2024 liegt dieser Wert bei 1.028 Euro und ist damit um 38 Prozent (629 Euro) gesunken.

Obwohl die Stromnetzgebühren durch den Wegfall des Zuschusses der Bundesregierung zum Jahreswechsel stärker angestiegen sind als erwartet, sind die Angebote der überregionalen Stromversorger nicht teurer geworden. Wegen der im Vergleich zum Vorjahr deutlich niedrigeren Beschaffungskosten der Unternehmen können die Mehrkosten bisher aufgefangen werden.

Auch bei den regionalen Grundversorgern zeichnet sich bisher nur ein leichter Trend zu Preiserhöhungen ab. Für Februar und März 2024 wurden 32 Preissenkungen von durchschnittlich 5 Prozent angekündigt, gleichzeitig gibt es jedoch 66 Preiserhöhungen von ebenfalls durchschnittlich 5 Prozent. Die große Mehrheit der regionalen Versorger habe ihre Preise damit im ersten Quartal nicht erhöht, so Verivox.

Gaspreise bei Neuabschluss haben sich fast halbiert
Mit einem Minus von 49 Prozent sind die Gaspreise in den letzten 12 Monaten bei Abschluss eines Neuvertrags noch deutlicher als die Strompreise gefallen. So haben Neukunden im Januar 2023 für 20.000 kWh Gas für ein Einfamilienhaus im günstigsten verfügbaren Tarif mit Preisgarantie im Bundesschnitt noch rund 3.202 Euro bezahlt. Im Januar 2024 gibt es die gleiche Menge Gas für 1.646 Euro.

Die kurzfristige Erhöhung des CO2-Preises für fossile Brennstoffe auf 45 anstatt auf 40 Euro im Jahr 2024 hat damit keine sichtbaren Auswirkungen auf die Gaspreise für Neukunden. Die Gasversorger müssen diese Erhöhung nicht direkt weitergeben, da die Großhandelspreise für Erdgas im vergangenen Jahr deutlich gesunken sind.

Preissenkungen überwiegen auch bei den regionalen Grundversorgern. Für Februar und März 2024 wurden insgesamt 39 Preissenkungen von durchschnittlich 14 Prozent angekündigt. Gleichzeitig gibt es 25 Preiserhöhungen von durchschnittlich 2 Prozent.

Spätestens im zweiten Quartal wird auf Erdgas allerdings wieder die volle Mehrwertsteuer von 19 Prozent fällig, was einer Preissteigerung von rund 11 Prozent entspricht. Die Gaskosten für einen Jahresverbrauch von 20.000 kWh steigen dann automatisch um durchschnittlich rund 240 Euro, rechnet Verivox zumindest beim Gas mit einem moderaten Preisanstieg.

Großhandels-Strompreise sinken im Dezember 2023 auf den niedrigsten Stand seit Mai 2021
Bereits Ende des letzten Jahres 2023 markierten die Großhandels-Strompreise in Deutschland im Dezember nicht nur den tiefsten Monatsstand des Jahres, die Strompreise erreichten auch den niedrigsten Wert seit Mai 2021. Gründe für die zwischenzeitlich hohen Steigerungen der Großhandels-Strompreise waren vor allem der massive Ausfall französischer Atomkraftwerke ab Ende 2021 sowie die exzessiven Preissteigerungen bei Gas nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine (Februar 2022).

„Entgegen vieler Befürchtungen sind die Erzeuger-Strompreise an der Börse trotz des Atomausstiegs in Deutschland nicht gestiegen, sondern im Laufe des Jahres 2023 deutlich gefallen“, kommentierte IWR-Chef Dr. Norbert Allnoch bereits die Entwicklung der Großhandels-Strompreise. Zur Entspannung der Strommärkte haben trotz der Stilllegung der deutschen Atomkraftwerke die niedrigen Gaspreise nach der Umstellung auf eine größere Zahl an Bezugsquellen und -ländern, die Reparatur und Wiederinbetriebnahme ausgefallener französischer Atomkraftwerke sowie der kräftige Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland beigetragen.

© IWR, 2024


01.02.2024

 



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