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AKW Emsland wird gewartet: Kaum noch Atomstrom in Deutschland

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Lingen - Seit einer Woche schon produzieren in Deutschland nur noch zwei Atomkraftwerke Strom. Das Atomkraftwerk Emsland ist am Freitag, den 06.05.2022 zu seiner letzten turnusmäßigen Wartung in seiner Betriebszeit heruntergefahren geworden.

Neue Brennelemente werden in dieser Revision nicht mehr eingesetzt. „In diesem Jahr werden wir lediglich die im Kern befindlichen Brennelemente umsetzen, um den Brennstoff optimal ausnutzen. So stellen wir sicher, dass wir bis zum gesetzlichen Abschaltzeitpunkt am Jahresende zuverlässig Strom erzeugen“, so Kraftwerksleiter Wolfgang Kahlert.

Das Investitionsvolumen liegt bei über 10 Millionen Euro. Voraussichtlich Ende Mai 2022 soll das Kraftwerk nach Zustimmung durch das Niedersächsische Umweltministerium wieder mit dem Netz synchronisiert werden.

Aktuell sind in Deutschland nur noch drei Atomkraftwerke in Betrieb, das sind Neckarwestheim 2 (1.400 MW), Isar II (1.485 MW) und Emsland (1.406 MW). Zum Ende des Jahres 2022 werden auch die letzten drei Atomkraftwerke endgültig abgeschaltet.

In Europa gibt es nur zwei Hersteller von Atomkraftwerken, das sind Framatome, Tochter des staatlich dominierten französischen Energiekonzerns EDF, und die staatlich-russische Rosatom. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine sind westliche Geschäftsaktivitäten mit Rosatom nicht mehr vorstellbar. So hat bisher schon das finnische Unternehmen Fennovoima den Vertrag mit Rosatom gekündigt. Ob das finnische Atomkraftwerks-Projekt Hanhikivi damit überhaupt noch realisiert wird, ist nicht absehbar.

Experten kritisieren zudem die hohe Abhängigkeit von russischem Uran und Brennelementen beim Betrieb von Atomkraftwerken. So können viele osteuropäische Atomkraftwerke nur mit Brennelementen aus Russland betrieben werden. Russland wiederum baut weltweit Atomkraftwerke in ganz unterschiedlichen Ländern, wodurch sich die Energieabhängigkeit von Russland in diesen Ländern deutlich erhöht.

© IWR, 2022

13.05.2022