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Tschernobyl-Folgen: Pilze im Wald in Süddeutschland weiterhin radioaktiv belastet

© Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)© Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)

Salzgitter - Auch wenn seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986 bereits 34 Jahre vergangen sind, so sind die radioaktiven Folgen noch heute spürbar. Die radioaktive Belastung von Pilzen durch Tschernobyl ist regional weiterhin erhöht, teilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mit.

Einzelne Wildpilzarten vor allem in Süddeutschland können nach wie vor stark mit radioaktivem Cäsium belastet sein. Das zeigt der aktuelle Pilzbericht des BfS, bei dem wild wachsende Speisepilze an ausgewählten Standorten gesammelt und auf ihren Gehalt an radioaktivem Cäsium (Cäsium-137) gemessen werden.

„Wer Wildpilze aus dem Handel kauft, muss sich über radioaktives Cäsium keine Gedanken machen. Hier gilt ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse“, betonte Inge Paulini, Präsidentin des BfS. „Wenn man selbst Pilze sammelt, lohnt es sich aber, genauer hinzusehen. Vor allem im Bayerischen Wald oder am Alpenrand können beispielsweise Semmelstoppelpilze, Maronenröhrlinge oder Gelbstielige Trompetenpfifferlinge erhöhte Cäsium-Werte aufweisen."

Eine Gesundheitsgefahr bestehe beim Verzehr dieser Pilze zwar nicht, aber wer sie in der Natur stehen lässt, kann leicht eine unnötige Strahlenbelastung vermeiden, so Paulini. Das BfS rät Pilzsammlern und -sammlerinnen in den höher belasteten Gebieten Deutschlands, wie etwa dem Bayerischen Wald oder dem Alpenrand, sich über die radioaktive Belastung von Wildpilzen zu informieren.

Wie hoch die Belastung mit Cäsium-137 ist, schwankt sehr stark je nach Pilzart und von Standort zu Standort. Messwerte von über 1.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse wurden in den letzten drei Jahren bei Semmelstoppelpilzen, Rotbraunen Semmelstoppelpilzen, verschiedenen Schnecklingsarten, Maronenröhrlingen, Gelbstieligen Trompetenpfifferlingen, Seidigen Ritterlingen und Reifpilzen festgestellt.

Im Jahr 2019 wiesen insbesondere Semmelstoppelpilze am nördlichen Rand des Nationalparks Bayerischer Wald Spitzenwerte von über 4.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse auf. Ob sich diese unerwartet hohen Messwerte auch dieses Jahr bestätigen und welche Ursachen hierfür verantwortlich sind, untersucht das BfS im Rahmen der diesjährigen Messkampagnen.

Negative gesundheitliche Folgen aufgrund der Radioaktivität laut BfS niemand befürchten, wenn selbst gesammelte Pilze in üblichen Mengen gegessen werden (etwa bis 250 Gramm pro Woche). Als grundsätzlich unbedenklich im Hinblick auf ihren Radioaktivitätsgehalt gelten unter anderem Birnenstäubling, Blutender Waldchampignon, Mönchskopf, Riesenporling und Schopftintling. Auch angebaute Pilze wie gezüchtete Austernseitlinge oder Zuchtchampignons sind nur sehr gering radioaktiv belastet und können bedenkenlos gegessen werden.

Das BfS untersucht die radioaktive Belastung wildwachsender Speisepilze im Süden Deutschlands seit 2005 und veröffentlicht die Ergebnisse jährlich.

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01.10.2020