Energiefirmen.de

Branchenportal der Energiewirtschaft

Fotolia 21835445 M 1280 256

Strommarkt

1. Strompreise und Ausstieg aus der Atomkraft 

Der rasante Anstieg der Strompreise in Deutschland seit 2021 basierte auf zwei aufeinander fallende Hauptereignisse. Seit Mitte 2023 sinken die Strompreise jedoch wieder - trotz des Ausstiegs aus der Atomkraft - auf das Niveau von 2021.

Ursache für den rasanten Preisanstieg war zunächst im Jahr 2021 der massive Ausfall französischer Atomkraftwerke, der zu einem Strommangel in Frankreich mit Auswirkungen auf die Nachbarländer führte, die mit Stromlieferungen aushelfen mussten. Mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine (2022) erhöhte sich der Preisdruck durch den rasanten Preisanstieg bei Gas, ausgelöst durch den Gasmangel in Europa, insbesondere aber in Deutschland.   

Deutschland_Strompreise_Grosshandel_2021_2023.png

Deutschland: Anziehende Strompreise ab Mitte 2021 - niedriger Gasspeicherstand

In Deutschland sind schon ab Mitte 2021 die Gaspreise und in der Folge die Großhandels-Strompreise wegen der - moderat - gedrosselten Gaslieferung aus Russland gestiegen. Die deutschen Gasspeicher waren zu Beginn der Heizperiode 2021/2022 am 01. Oktober 2021 lediglich zu 68 Prozent gefüllt.

Frankreich: Ausfall von rd. 30 Prozent der französischen AKW-Flotte treibt Strompreise

Ein zusätzlicher Preisimpuls erreichte den deutschen Strommarkt ab Oktober 2021, als bei der zehnjährigen AKW-Inspektion französischer Kernkraftwerke unverhoffte Qualitätsmängel in der Nähe von Schweißnähten an Rohrkrümmern des Sicherheitseinspritzsystems festgestellt wurden. Weil weitere baugleiche französische Atomkraftwerke zum Ende des Jahres 2021 abgeschaltet werden mussten, fehlten in Frankreich auf einen Schlag vier weitere Atomkraftwerke mit einer Bruttoleistung von 6.000 MW.

Der Ausfall von 15 französischen Atomkraftwerken und die französische Ersatzbeschaffung über die europäische Strombörse hat die Strompreise im Dezember 2021 auch in Deutschland regelrecht explodieren lassen. Zahlreiche deutsche Strom-Billiganbieter gingen in die Insolvenz oder lieferten keinen Strom mehr, diese Stromkunden mussten in der Folge vom Grundversorger aufgefangen werden, was eine weitere Kettenreaktion auslöste.

Die Stadtwerke bzw. regionale und bundeseite Energieversorger sahen sich wegen des ungeplanten Zulaufs von vielen Neukunden insolventer Strom-Billiganbieter gezwungen, zusätzlichen Strom für die Grundversorgung an der Strombörse zu beschaffen, was die Strompreise weiter in die Höhe trieb. Zusätzlich mussten wegen des französischen Strommangels auch alle Nachbarländer Frankreichs (u.a. UK, Spanien, Deutschland) mit Strom aushelfen und zusätzliche Kraftwerkskapazitäten bereitstellen.       

 Atomstrom-Produktion-Fankreich-2015-2022.png 

 
Russlands Einmarsch in die Ukraine - Gas- und Strompreise explodieren in Deutschland

Neben dem massiven Ausfall der französischen Atomkraftwerke brachte Anfang 2022 der russische Einmarsch in die Ukraine neue Unsicherheiten in den Energiemarkt. Die sukzessive Drosselung russischer Gaslieferungen ließ die Gaspreise stetig steigen und in der Folge kletterten wegen des Merit-Order-Prinzips auch die Strompreise. Der komplette Ausfall der russischen Gaslieferungen in Verbindung mit dem Ausfall der französischen Atomkraftwerke ließ die Gaspreise zwischenzeitlich auf über 350 Euro/MWh regelrecht explodierten. Die Großhandels-Strompreise an den Strombörsen erreichten im August 2022 ein bisher absolutes Rekordhoch (s. Bild) und heizten damit auch die Inflation in Deutschland kräftig an.

Im Winter 2022/23 sorgten noch einmal der Ausfall der französischen Atomkraftwerke und relativ hohe Gaspreise für einen Neben-Strompreispeak. Insgesamt erreichte der Ausfall französischer Atomkraftwerke mit - 82 Mrd. kWh ein Rekordniveau und führte dazu, dass Frankreich erstmals seit über 30 Jahren Netto-Stromimporteur wurde. Erst mit den sinkenden Gaspreisen Anfang 2023 u.a. durch Umstellung der Gasbezugsquellen (u.a. Norwegen), Einsatz von LNG-Gas, dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien sowie der sukzessiven Rückkehr französischer Atomkraftwerke in den Markt sind auch die Strompreise in Deutschland immer weiter gesunken und erreichen nunmehr wieder das Niveau von 2021.  

Kohleverstromung und Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland

Die Befürchtungen, dass wegen der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke in Deutschland die Kohleverstromung steigt, ist bisher nicht eingetroffen. Im Gegenteil, die Kohleverstromung ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken (aktuelle Tagesstatistik und Strom-Mix in Deutschland).

Braun-und-Steinkohleverstromung_Deutschland_2021-2023.png

 

2. Stromerzeugung

Die Bruttostromerzeugung in Deutschland erreichte im Jahr 2021 insgesamt 584,3 Mrd. kWh (2020: 573,6 Mrd. kWh). Auf die Erneuerbaren Energien entfielen 236,7 Mrd. kWh, das ist der höchste bisher ermittelte Wert. Weitere Infos...

3. Links

- Strom- und Gaspreise vergleichen und Anbieter wechseln auf www.strompreisrechner.de weiter...

 


 

News zum Strommarkt

Qualitas Energy startet Windpark-Repowering in Ingstetten – Baden-Württemberg hinkt Ausbauzielen hinterher

31.07.2026 16:14 | Berlin/Münster – Der Ausbau der Windenergie an Land in Baden-Württemberg kommt nur langsam voran und bleibt trotz leichter Belebung weit hinter den Zielen des Landes zurück. Das Investment- und Projektentwicklungsunternehmen Qualitas Energy hat nun im Land mit dem Bau eines Repowering-Projekts begonnen. weiter...


First Solar: Gewinn wächst deutlich trotz sinkender Erlöse – Auftragsbestand steigt auf 45,1 GW - Aktie legt zu

31.07.2026 10:47 | Tempe/Arizona (USA) – Der US-Solarmodulhersteller First Solar hat im zweiten Quartal 2026 trotz rückläufiger Erlöse einen deutlich höheren Gewinn erzielt und seinen Auftragsbestand auf ein Rekordniveau ausgebaut. Zugleich bestätigte das Unternehmen seine bisherige Jahresprognose für 2026. weiter...


Frankreich treibt industrielle Fertigung schwimmender Windkraft-Fundamente voran: BW Ideol und NGE planen 500-MW-Linie in Fos-sur-Mer

30.07.2026 17:14 | Fos-sur-Mer – Frankreichs Ausbau industrieller Fertigungskapazitäten für schwimmende Offshore-Windkraft gewinnt an Fahrt. Mit einer gleichberechtigten Partnerschaft für den Mittelmeerraum bündeln der Projektentwickler BW Ideol und der Baukonzern NGE ihre Kräfte, um eine Serienfertigung für schwimmende Windkraft-Fundamente in Südfrankreich aufzubauen. weiter...


EU-Quote für synthetische Flugkraftstoffe: NRW sichert Bau der Synhelion-Anlage in Jülich mit Landesmitteln

30.07.2026 15:54 | Zürich – Die Europäische Union verpflichtet Anbieter von Flugkraftstoff zu einer schrittweise steigenden Beimischung nachhaltiger und synthetischer Kraftstoffe. Parallel dazu unterstützt Nordrhein-Westfalen den Bau einer kommerziellen Demonstrationsanlage des Schweizer Unternehmens Synhelion in Jülich. weiter...


RWE hebt Prognosen für 2026 und 2027 an – Beteiligung am Stromnetzbetreiber Amprion stärkt Ergebnis

30.07.2026 14:26 | Essen – Der Energiekonzern RWE hebt nach einem stärker als erwarteten ersten Halbjahr seine Ergebnisprognosen für die Geschäftsjahre 2026 und 2027 an. Ausschlaggebend sind neben einer verbesserten operativen Entwicklung vor allem zusätzliche Ergebnisbeiträge aus der Aufstockung der Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion, eine Entschädigungszahlung des niederländischen Staates sowie höhere Erträge aus der internationalen Stromerzeugung. weiter...


EU startet Milliarden-Ausschreibung für KI-Gigafabriken – Schnelle Stromversorgung wird zum Wettbewerbsfaktor

30.07.2026 13:30 | Brüssel – Die EU-Kommission hat die Ausschreibung für den Aufbau von bis zu sieben AI Gigafactories gestartet und will damit Investitionen von mehr als 30 Milliarden Euro in Europas KI-Infrastruktur anstoßen. Für Betreiber großer KI-Rechenzentren ist Zeit inzwischen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Nur wer die benötigte Stromversorgung schnell bereitstellen kann, verschafft sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil im globalen KI-Wettlauf. weiter...


RENIXX-Quartalssaison: Bloom Energy wächst dank KI-Boom kräftig – EDPR legt zu – Enphase stagniert – Verbund unter Druck

30.07.2026 12:04 | Münster – Derzeit läuft die Quartalssaison bei den börsennotierten Unternehmen der Regenerativen Energiewirtschaft. Neben Nordex haben in dieser Woche mit Bloom Energy, EDP Renewables, Enphase Energy und Verbund bislang vier weitere im RENIXX-World gelistete Unternehmen ihre Zahlen für das zweite Quartal beziehungsweise das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. weiter...


Mehrfamilienhäuser als Wärmewende-Baustelle: Propan-Wärmepumpen im Fokus der Forschung

29.07.2026 16:56 | Freiburg – Der Umstieg auf Wärmepumpen kommt in Mehrfamilienhäusern nur schleppend voran. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat deshalb gemeinsam mit Industriepartnern Lösungskonzepte entwickelt, um Wärmepumpen mit dem natürlichen Kältemittel Propan (R290) im Gebäudebestand einfacher und sicherer einsetzen zu können. weiter...


Rheinisches Revier im Wandel: RWE baut 236-MW-2-Stunden-Batteriespeicher in Hambach

29.07.2026 13:31 | Essen - Auf den früheren Tagebauflächen im Rheinischen Revier entstehen zunehmend neue Standorte für Erneuerbare Energien und Speichertechnologien, die einst durch den Braunkohleabbau geprägt waren. RWE treibt diesen Wandel mit dem Bau einer weiteren Großbatterie im Tagebau Hambach voran, nachdem dort bereits Solar- und Speicheranlagen entstanden sind. weiter...


EU baut Industriepolitik mit 1,5-Milliarden-Euro-Programm für Batteriezellfabriken aus

29.07.2026 10:10 | Brüssel – Mit einem neuen Förderprogramm für Batteriezellfabriken baut die Europäische Union ihren industriepolitischen Kurs zum Aufbau einer wettbewerbsfähigen Batterieproduktion weiter aus. Die EU-Kommission stellt dafür zinslose Darlehen von bis zu 1,5 Milliarden Euro bereit. Gefördert wird gezielt die wirtschaftlich kritische Anlaufphase neuer Produktionsstandorte, in der viele Projekte trotz ausgereifter Technologie an hohen Kosten und Skalierungsrisiken scheitern. weiter...