Strommarkt
1. Strompreise und Ausstieg aus der Atomkraft
Der rasante Anstieg der Strompreise in Deutschland seit 2021 basierte auf zwei aufeinander fallende Hauptereignisse. Seit Mitte 2023 sinken die Strompreise jedoch wieder - trotz des Ausstiegs aus der Atomkraft - auf das Niveau von 2021.
Ursache für den rasanten Preisanstieg war zunächst im Jahr 2021 der massive Ausfall französischer Atomkraftwerke, der zu einem Strommangel in Frankreich mit Auswirkungen auf die Nachbarländer führte, die mit Stromlieferungen aushelfen mussten. Mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine (2022) erhöhte sich der Preisdruck durch den rasanten Preisanstieg bei Gas, ausgelöst durch den Gasmangel in Europa, insbesondere aber in Deutschland.

Deutschland: Anziehende Strompreise ab Mitte 2021 - niedriger Gasspeicherstand
In Deutschland sind schon ab Mitte 2021 die Gaspreise und in der Folge die Großhandels-Strompreise wegen der - moderat - gedrosselten Gaslieferung aus Russland gestiegen. Die deutschen Gasspeicher waren zu Beginn der Heizperiode 2021/2022 am 01. Oktober 2021 lediglich zu 68 Prozent gefüllt.
Frankreich: Ausfall von rd. 30 Prozent der französischen AKW-Flotte treibt Strompreise
Ein zusätzlicher Preisimpuls erreichte den deutschen Strommarkt ab Oktober 2021, als bei der zehnjährigen AKW-Inspektion französischer Kernkraftwerke unverhoffte Qualitätsmängel in der Nähe von Schweißnähten an Rohrkrümmern des Sicherheitseinspritzsystems festgestellt wurden. Weil weitere baugleiche französische Atomkraftwerke zum Ende des Jahres 2021 abgeschaltet werden mussten, fehlten in Frankreich auf einen Schlag vier weitere Atomkraftwerke mit einer Bruttoleistung von 6.000 MW.
Der Ausfall von 15 französischen Atomkraftwerken und die französische Ersatzbeschaffung über die europäische Strombörse hat die Strompreise im Dezember 2021 auch in Deutschland regelrecht explodieren lassen. Zahlreiche deutsche Strom-Billiganbieter gingen in die Insolvenz oder lieferten keinen Strom mehr, diese Stromkunden mussten in der Folge vom Grundversorger aufgefangen werden, was eine weitere Kettenreaktion auslöste.
Die Stadtwerke bzw. regionale und bundeseite Energieversorger sahen sich wegen des ungeplanten Zulaufs von vielen Neukunden insolventer Strom-Billiganbieter gezwungen, zusätzlichen Strom für die Grundversorgung an der Strombörse zu beschaffen, was die Strompreise weiter in die Höhe trieb. Zusätzlich mussten wegen des französischen Strommangels auch alle Nachbarländer Frankreichs (u.a. UK, Spanien, Deutschland) mit Strom aushelfen und zusätzliche Kraftwerkskapazitäten bereitstellen.
Russlands Einmarsch in die Ukraine - Gas- und Strompreise explodieren in Deutschland
Neben dem massiven Ausfall der französischen Atomkraftwerke brachte Anfang 2022 der russische Einmarsch in die Ukraine neue Unsicherheiten in den Energiemarkt. Die sukzessive Drosselung russischer Gaslieferungen ließ die Gaspreise stetig steigen und in der Folge kletterten wegen des Merit-Order-Prinzips auch die Strompreise. Der komplette Ausfall der russischen Gaslieferungen in Verbindung mit dem Ausfall der französischen Atomkraftwerke ließ die Gaspreise zwischenzeitlich auf über 350 Euro/MWh regelrecht explodierten. Die Großhandels-Strompreise an den Strombörsen erreichten im August 2022 ein bisher absolutes Rekordhoch (s. Bild) und heizten damit auch die Inflation in Deutschland kräftig an.
Im Winter 2022/23 sorgten noch einmal der Ausfall der französischen Atomkraftwerke und relativ hohe Gaspreise für einen Neben-Strompreispeak. Insgesamt erreichte der Ausfall französischer Atomkraftwerke mit - 82 Mrd. kWh ein Rekordniveau und führte dazu, dass Frankreich erstmals seit über 30 Jahren Netto-Stromimporteur wurde. Erst mit den sinkenden Gaspreisen Anfang 2023 u.a. durch Umstellung der Gasbezugsquellen (u.a. Norwegen), Einsatz von LNG-Gas, dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien sowie der sukzessiven Rückkehr französischer Atomkraftwerke in den Markt sind auch die Strompreise in Deutschland immer weiter gesunken und erreichen nunmehr wieder das Niveau von 2021.
Kohleverstromung und Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland
Die Befürchtungen, dass wegen der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke in Deutschland die Kohleverstromung steigt, ist bisher nicht eingetroffen. Im Gegenteil, die Kohleverstromung ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken (aktuelle Tagesstatistik und Strom-Mix in Deutschland).

2. Stromerzeugung
Die Bruttostromerzeugung in Deutschland erreichte im Jahr 2021 insgesamt 584,3 Mrd. kWh (2020: 573,6 Mrd. kWh). Auf die Erneuerbaren Energien entfielen 236,7 Mrd. kWh, das ist der höchste bisher ermittelte Wert. Weitere Infos...
3. Links
- Strom- und Gaspreise vergleichen und Anbieter wechseln auf www.strompreisrechner.de weiter...
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