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Strommarkt Statistik

1. Stromerzeugung in Deutschland

Die Bruttostromerzeugung in Deutschland ist nach dem deutlichen Einbruch im Jahr 2020 im Zuge der Pandemie in den Folgejahren 2021 und 2022 nur leicht gestiegen. Mit rd. 579 Mrd. kWh ist die Bruttostromerzeugung im Jahr 2022 um ca. 0,8 Prozent höher ausgefallen als 2020 (rd. 575 Mrd. kWh).

Im Jahr 2017 erreichte die Bruttostromerzeugung nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) noch einen Rekordwert von 652 Mrd. kWh (Stand: 11.12.2023).

Den größten Zuwachs verzeichnet 2022 bei den konventionellen Energieträgern die Stromerzeugung aus Stein- und Braunkohle. Die Stromerzeugung aus Kernenergie ist aufgrund der Abschaltung weiterer Atomkraftwerke um etwa 50 Prozent zurückgegangen auf rd. 35 Mrd. kWh.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zieht aufgrund eines deutlich stärkeren Windjahres und der steigenden Solarstromerzeugung auf rd. 254 Mrd. kWh an. Der größte Beitrag zum regenerativen Stromaufkommen geht von der Windenergie aus, im Jahr 2022 erreicht die Stromerzeugung aus Onshore- und Offshore-Windenergieanlagen rd. 125 Mrd. kWh. Auf die Windenergie folgt mit gut 60 Mrd. kWh die Solarstromerzeugung.

Bruttostromerzeugung, Stromverbrauch sowie Import und Export

Stromerzeugung
(Mrd. kWh)

2022 2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015
2014
2013
2012
Steinkohle 63,8 54,6 42,8 57,5 82,6 92,9 112,2 117,7 118,6 127,3 116,4
Braunkohle 116,2 110,1 91,7 114,0 145,6 148,4 149,5 154,5 155,8 160,9 160,7
Mineralöl 5,2 4,6 4,7 4,8 5,1 5,5 5,7 6,1 5,5 7,0 7,5
Erdgas 81,6 90,3 94,7 89,9 81,6 86,0 80,6 61,5 60,6 67,0 75,9
Kernenergie 34,7 69,1 64,4 75,1 76,0 76,3 84,6 91,8 97,1 97,3 99,5
Erneuerbare Energien 254,2 233,9 251,5 241,6 223,3 215,7 189,1 188,1 161,9 151,9 143,4
     Windenergie 124,8 114,6 132,1 125,9 110,0 105,7 79,9 80,6 58,5 52,7 51,7
     Biomasse 1 45,7 44,3 45,1 44,3 44,6 45,0 45,0 44,6 42,2 40,1 38,3
     Photovoltaik 60,3 49,3 49,5 45,2 44,3 38,8 37,6 38,1 35,4 30,6 26,7
     Wasserkraft 17,6 19,7 18,7 20,1 18,1 20,2 20,5 19,0 19,6 23,0 21,8
     Geothermie 0,2 0,2 0,2 0,2 0,2 0,2 0,2 0,1 0,1 0,1 0,0
     Müll 5,6 5,8 5,8 5,8 6,2 6,0 5,9 5,8 6,1 5,4 5,0
Sonstige 23,7 24,5 24,8 25,5 27,3 27,6 27,3 27,3 27,0 26,2 25,6
Stromerzeugung Gesamt 2
579,3 587,1 574,7 608,2 641,4 652,3 649,2 647,0 626,6 637,7 629,0
                       
Stromverbrauch
(Mrd. kWh)
552,1 568,5 555,8 575,6 592,7 599,9 598,6 598,7 592,7 605,5 608,5
                       
Strom Export/Import
(Mrd. kWh)
                     
     Exporte 76,6 70,3 66,9 72,8 80,5 80,3 78,9 85,3 74,3 71,4 66,8
     Importe 49,3 51,7 48,0 40,1 31,7 27,8 28,3 37,0 40,4 39,2 46,3
Bilanz-Saldo
(Mrd. kWh) (+) = Exportüberschuss
+27,3 +18,6 +18,9 +32,7 +48,7 +52,5 +50,5 +48,3 +33,9 +32,2 +20,5

Stand: 11.12.2023, Quelle: BMWK / Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (Stand: 14.11.2023)

1 = inkl. Klär- und Deponiegas, 2 = Rundungsdifferenzen möglich, (+) = Export-Überschuss, (-) = Unterdeckung


2. Stromerzeugungskapazitäten in Deutschland

Die Kapazitäten zur Stromerzeugung in Deutschland wurden seit 2010 v.a. gestützt durch neue Windenergie- und Photovoltaikanlagen kontinuierlich ausgebaut. Auch auf dem Kohlesektor ist zunächst ein Anstieg der Kapazitäten trotz Anlagenstilllegungen bis 2015 zu verzeichnen. Im Gegensatz dazu hat sich die Leistung von Kernkraftwerken bedingt durch den Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung und die daraus resultierenden Außerbetriebnahmen seit dem Jahr 2010 bis 2015 fast halbiert und ist nach Abschaltung der letzen drei Standorte nunmehr auf Null zurückgegangen.

Brutto-Kapazitäten (in 1.000 MW)

2023 * 2022 2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015
2014
2013
Steinkohlen 18,9 19,0  19,0 23,7 22,7 23,8 24,0 27,4  28,7 26,2 26,0
Braunkohlen 18,5 18,7  19,0 20,9 20,9 20,9 20,9 21,3  21,4 20,8 21,0
Heizöl 4,7 4,7  4,7 4,9 4,4 4,4 4,4 4,6  4,2 4,2 4,1
Gase  34,8 34,3  32,4 32,5 30,1 30,1 29,8 29,4  28,4 29,0 28,4
Kernenergie  0,0  4,1  4,1 8,1 9,5 9,5 10,8 10,8  10,8 12,1 12,1
Wasser  15,9  15,9  15,8 14,6 14,7 14,7 14,3 14,9  14,9 14,8 14,7
Windenergie  66,2  66,2  63,8 62,2 60,7 58,7 55,6 49,4  44,6 38,6 33,5
Photovoltaik  67,5  67,5  59,4 53,7 49,1 45,2 42,3 40,7  39,2 37,9 36,7
Geothermie  0,059  0,059  0,054 0,047 0,047 0,042 0,038 0,038  0,034 0,033 0,03
Biomasse 11,7  11,7 11,5 11,4 10,8 10,5 10,0 9,7  9,5 9,2 9,0
Sonstige  2,8   2,8  2,7 3,0 3,3 3,3 3,3 3,3  3,2 3,2 3,1
Batteriespeicher  1,2  1,1  0,8 0,8 0,2 0,2          
Gesamt 242,2 245,8  233,3 235,8 226,4 221,3 215,3 211,6 204,9 196,1 188,5

* = Daten 2023: Fortschreibung der Daten für 2022
Stand: 11.12.2023, Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (Stand: 18.10.2023)

Daten: bis 2010 BMWK-Zahlen, ab 2011: Wechsel zu Daten der Bundesnetzagentur (BNetzA). Diese Statistiken weichen nach dem Wechsel zu den Daten der Bundesnetzagentur zum Teil erheblich von den früheren BMWK-Daten ab.


3. Strompreise

Die Börsenstrompreise am Spot- und Terminmarkt sind in Deutschland in den letzten Jahren stark gefallen. Am Terminmarkt haben die monatlichen Durchschnittspreise für das Lieferjahr 2017 im Februar 2016 mit 2,17 Cent / kWh den niedrigsten Wert sei dem Jahr 2007 erreicht. Seitdem sind die Strompreise wieder gestiegen:

Terminmarkt: Am Terminmarkt können sich die Großkunden bereits heute zu den aktuell gültigen Preisen mit Strom eindecken, der erst in den nächsten Jahren geliefert wird. In der nachfolgenden Tabelle sind die mittleren Preise für die Lieferung von Strom (hier: Grundlaststrom)  aufgeführt. Trotz der bekannten Stilllegung aller deutschen Atomkraftwerke bis 2022 signalisieren die Strompreise zur Stromlieferung im Jahr 2023 keine signifikante Änderung, d.h. die Marktteilnehmer erwarten derzeit keinen Stromengpass in Deutschland trotz der AKW-Abschaltungen.

Spotmarkt: Am Spotmarkt werden im Unterschied zum Terminmarkt tagesaktuelle Stromliefer-Kontrakte gehandelt. Großhandels-Stromkunden können sich mit Strom-Kontingenten für den selben Tag oder für den nächsten Tag (day ahead) eindecken. Am Spotmarkt wird auch der EEG-Ökostrom zwangsweise verkauft.

Terminmarkt: Börsen-Strompreise - Monatsmittelwerte Grundlast bis 2023 (Cent/kWh) *

Lieferjahr

Jan
2022
Nov
2019
Okt
2019
Sep
2019
Aug
2019
Jul
2019
Jun
2019
Mai
2019
Apr
2019
Mrz
2019
Feb
2019
Jan
2019
Dez
2018
2025 9,65 - - - - - - - - - - - -
2026 9,28 - - - - - - - - - - - -
2027 - - - - - - - - - - - - -
2028 - - - - - - - - - - - - -

*: vorläufig
Daten: EEX

Spotmarkt: Börsen-Strompreise - Monatsmittelwerte Day ahead (Cent/kWh) *

Spotmarkt

Apr
2024
Mrz
2024
Feb
2024
Jan
2024
Dez
2023
Nov
2023
Okt
2023
Sep
2023
Aug
2023
Jul
2023
Jun
2023
Deutschland 6,24 6,47 6,13 7,66 6,85 9,11 8,74 10,07 9,43 7,76 9,48
Frankreich 2,82 5,36 5,84 7,66 6,85 8,90 8,43 8,87 9,09 7,77 9,13
Schweiz 6,22 7,26 6,99 8,39 8,11 10,32 10,55 9,70 9,45 8,25 9,22
Österreich 5,87 6,36 6,58 8,13 7,32 9,36 9,93 10,14 9,27 8,48 9,48
Niederlande 5,83 6,34 6,39 7,84 7,32 9,44 9,02 9,87 9,13 7,18 9,20
Polen 8,09 7,54 7,60 9,35 8,01 9,84 9,54 10,98 10,71 11,58 11,82

*: vorläufig
Daten: EEX

Die Strompreise an der Börse sind seit 2008 gesunken, in der Spitze um rd. 75 Prozent. Im Jahr 2008 notierten die Börsen-Strompreise bei über 8 ct/kWh, im Jahr 2016 wurde der Tiefpunkt mit rd. 2 ct/kWh erreicht. Ursache: Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland hat zu einem gewaltigen Stromüberangebot und in der Folge zu diesem Preisrückgang geführt. Von den Preisrückgängen profitieren die (energieintensiven) Industrieunternehmen, die den Strom günstig einkaufen können und wegen der staatlich festgelegten Industriebefreiung größtenteils oder ganz von der EEG-Umlage oder den Netzentgelten befreit sind. Verlierer sind die großen Stromerzeuger, die deutlich weniger mit ihren Kraftwerken verdienen als vor 10 Jahren (s. Aktienkursverlauf der Versorger). Weitgehend neutral ist die Situation für die privaten Stromverbraucher. Ohne den Ausbau der erneuerbaren Energien bzw. ohne EEG-Umlage wären die Börsen-Strompreise, d.h. die Beschaffungskosten, nicht gesunken. Steigen die Börsenstrompreise, sinkt auf der anderen Seite die EEG-Umlage.   

Spotmarkt (2008 - 2022)

© IWR 2024, Daten: Netzbetreiber
Quelle: IWR, Daten: EEX, EPEXSpot, eigene Berechnung


Börsenpreis am Terminmarkt der EEX von 2008 - 2019

Aktuell: Jahresfuture 2025

© IWR 2024, Daten: EEX

 

In der nacholgenden Grafik sind die von der Bundesnetzagentur bzw. vom Bundeskartellamt veröffentlichten Strompreise für die Haushalte (3.500 kWh Jahresverbrauch) dargestellt. Ein erster großer Preisschub erfolgte bis 2010 auch ohne einen nennenswerten Ausbau der erneuerbaren Energien. Seit 2013 sind die Strompreise weitgehend konstant geblieben.   


Entwicklung der Strompreise Haushalte / Verbraucher

Über alle Tarife mengengewichteter Elektrizitätspreis für Haushaltskunden
für den Abnahmefall 3.500 kWh im Jahr
(Daten: Bundesnetzagentur, Bundeskartellamt)

 

Strompreis Haushalte (2006 - 2018)

© IWR 2024, Daten: Bundesnetzagentur

Das Funktionsprinzip der EEG-Umlage wird in den Medien kaum transparent und vollumfänglich dargestellt. Beispiel: Ein Betreiber einer regenerativen Anlage erhält eine Vergütung von 8 ct/kWh. Der EEG-Ökostrom muss an der Strombörse laut Gesetz zwangsverkauft werden. Erhält der Betreiber an der Strombörse 6 ct/kWh als Verkaufserlös, dann ist die Differenz (hier: 2 ct/kWh) die EEG-Umlage. Fällt der Börsenstrompreis auf 2 ct/kWh, dann beträgt die Differenz zu den 8 ct/kWh Vergütungszahlung in diesem Fall 6 ct/kWh als EEG-Umlage. Das Geld wird auf dem EEG-Konto der Netzbetreiber verwaltet. Entscheidend ist somit für den Verbraucher-Strompreis die Summe aus Börsenstrompreis und EEG-Umlage (s. Grafik).  

EEG-Umlage (2004 - 2023)

© IWR 2024, Daten: Netzbetreiber

Börsen-Strompreis Lieferjahr + EEG-Umlage (2009 - 2023)

© IWR 2024, Daten: Netzbetreiber, EEX


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