Ausfallserie: Schwedisches Atomkraftwerk Oskarshamn 3 wegen Ventilproblemen wieder außer Betrieb
Damit bleibt das rund 40 Jahre alte Atomkraftwerk für die nächsten Monate abgeschaltet und geht frühestens Ende Mai 2026 wieder in Betrieb. Die Ausfallserie von O3 setzt sich damit auch 2026 fort. Bereits im Betriebsjahr 2025 blieb Oskarshamn 3 über mehr als sieben Monate abgeschaltet.
Aktuelle Abschaltung von Oskarshamn 3 wegen möglicher Materialprobleme bei Ventilen
Hintergrund für die derzeitige Abschaltung von O3 ist, dass das Material um einige Ventile möglicherweise nicht den hohen Temperaturen standhalten könnte, die im unwahrscheinlichen Fall eines Kühlwasserausfalls auftreten würden.
Die Überprüfung und gegebenenfalls erforderliche Nachbesserung machen eine Wiederinbetriebnahme vor der ohnehin geplanten Jahresrevision 2026 praktisch unmöglich. Die planmäßige Generalüberholung beginnt am 28. März 2026.
Das Atomkraftwerk bleibt damit noch etwa einen Monat bis zur regulären Wartung abgeschaltet. Frühestens Ende Mai 2026 soll O3 wieder ans Netz gehen, sofern alle Arbeiten abgeschlossen sind.
Nach Angaben des Unternehmens zeigen die bisherigen Maßnahmen, dass die Sicherheitssysteme wie vorgesehen funktionieren. „Bei OKG hat Sicherheit höchste Priorität. Beim geringsten Zweifel, ob etwas nicht in Ordnung ist, werden die Betriebsabläufe sofort eingestellt. Es besteht keine Gefahr für Mensch und Umwelt“, erklärte Therese Andersen, Kommunikationsmanagerin bei OKG.
Lange Ausfallzeiten von Oskarshamn 3 im Jahr 2025 – Verfügbarkeit sinkt auf 37,9 Prozent
Das Jahr 2025 war für Oskarshamn 3 von ungewöhnlich langen Stillstandszeiten geprägt. Insgesamt erreichte der Reaktor eine Anlagenverfügbarkeit von 37,9 Prozent.
Bereits zu Jahresbeginn 2025 kam es zwischen dem 14. und 16. Januar zu einer kurzfristigen Leistungsreduzierung. Aufgrund technischer Kontrollen im Turbinenbereich speiste der Reaktor für rund zwei Tage nur mit verminderter Leistung Strom ins Netz ein.
Im Februar folgte vom 18. bis 20. Februar eine vollständige, jedoch kurze Abschaltung. In diesem Zeitraum wurden sicherheitsrelevante Komponenten überprüft. Nach Abschluss der Arbeiten wurde der Reaktor wieder angefahren.
Am 28. März 2025 begann die planmäßige Jahresrevision. Oskarshamn 3 wurde dafür regulär vom Netz genommen. Die Revision umfasste umfangreiche Wartungsarbeiten, Systemtests sowie einen Brennelementwechsel.
Während dieser Arbeiten wurde im April eine Rissbildung in einem sicherheitsrelevanten Rohr festgestellt. Die notwendige Reparatur erwies sich als technisch anspruchsvoll und führte zu einer erheblichen Verlängerung des ursprünglich auf wenige Wochen angesetzten Stillstands.
Infolge der Reparaturarbeiten blieb der Reaktor über den gesamten Sommer hinweg außer Betrieb. Der Neustarttermin wurde mehrfach verschoben, zunächst auf September, später auf Ende Oktober.
Erst am 2. November 2025 konnte Oskarshamn 3 wieder an das Stromnetz angeschlossen werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Anlage über sieben Monate stillgestanden.
Im Dezember kam es schließlich zu einer weiteren Unterbrechung. Vom 11. bis 20. Dezember 2025 wurde der Reaktor erneut abgeschaltet, um kleinere technische Abweichungen zu überprüfen. Die Maßnahme dauerte rund neun Tage.
Die Kombination aus regulärer Revision, unerwarteten Reparaturen sowie zusätzlichen Kurzabschaltungen führte im Gesamtjahr 2025 zu der außergewöhnlich niedrigen Anlagenverfügbarkeit von 37,9 Prozent.
Über das Atomkraftwerk Oskarshamn 3
Der Kernkraftwerksstandort Oskarshamn liegt auf der Halbinsel Simpevarp an der schwedischen Ostküste. Betreiber der Anlage ist OKG AB. Uniper SE hält eine Mehrheit von 54,5 Prozent über die Tochtergesellschaft (Sydkraft/Uniper) an der Betreibergesellschaft. Der restliche Anteil (45,5 Prozent) gehört dem mehrheitlich staatlich-finnischen Energieunternehmen Fortum.
Ursprünglich waren an dem Standort drei Reaktoren am Netz. Oskarshamn 2 (Bruttoleistung: 661 MW) wurde 2015 endgültig stillgelegt, Oskarshamn 1 (Bruttoleistung: 492 MW) folgte 2017. Seither ist Oskarshamn 3 der einzige verbliebene Reaktor am Standort – und zugleich einer der leistungsstärksten in Schweden.
Das Kernkraftwerk Oskarshamn 3 ging 1985 mit einer elektrischen Leistung von rund 1.050 Megawatt ans Netz. Bereits 1989 wurde die Leistung auf 1.200 Megawatt erhöht. Eine umfassende technische Modernisierung erfolgte zwischen 2009 und 2010. In diesem Zuge wurden unter anderem das Hauptkreislaufsystem, die Turbinen, der Generator sowie der Transformator erneuert – ein technisch anspruchsvoller Eingriff in die bestehende Anlage.
Seit 2012 liegt die maximale Bruttoleistung bei 1.450 Megawatt, die Nettoleistung bei rund 1.400 Megawatt. Mit dieser Leistung zählt Oskarshamn 3 zu den größten Siedewasserreaktoren weltweit.
© IWR, 2026
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