Hohe Öl- und Gaspreise treiben Inflation: Vattenfall fordert schnellere Elektrifizierung in Deutschland
Die Preisentwicklung trifft Europa in einer Phase anhaltender geopolitischer Spannungen. Die hohe Importabhängigkeit bleibt dabei ein strukturelles Risiko: 2024 deckte die EU 57 Prozent ihres Energiebedarfs durch Nettoimporte. Für fossile Energieimporte gibt die EU jährlich mehr als 300 Mrd. Euro aus.
Fossile Energieimporte: Vattenfall warnt vor Preis- und Inflationsrisiken
Nach Angaben von Vattenfall ist der europäische Referenzpreis für Erdgas seit Ende August um rund ein Fünftel gestiegen und erreichte zeitweise den höchsten Stand seit Anfang 2023. Gleichzeitig haben auch die internationalen Ölpreise deutlich angezogen. Vattenfall verweist darauf, dass höhere Energiepreise nicht nur Haushalte unmittelbar über Heizkosten sowie Benzin- und Dieselpreise treffen, sondern über Produktion, Transport und Dienstleistungen auch den allgemeinen Preisdruck erhöhen können.
„Die aktuelle Entwicklung zeigt einmal mehr, wie stark Deutschland und Europa von internationalen Energie- und Rohstoffmärkten abhängig bleibt“, sagt Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski. „Solange wir fossile Energieträger importieren müssen, importieren wir auch geopolitische Risiken und deren Auswirkungen auf die Preise.“
Zugleich betont das Unternehmen, dass die aktuelle Situation nicht mit der Energiekrise 2022 vergleichbar sei. Europa verfügt heute über eine stärker diversifizierte Gasversorgung, zusätzliche LNG-Kapazitäten und eine höhere erneuerbare Stromerzeugung. Die grundsätzliche Importabhängigkeit besteht jedoch fort. Deutschland deckte 2024 nach Eurostat-Angaben 67 Prozent seines Energiebedarfs durch Nettoimporte und lag damit über dem EU-Durchschnitt von 57 Prozent.
Vattenfall setzt auf Elektrifizierung, Windenergie und Speicher
Als strukturelle Antwort auf die fossile Importabhängigkeit plädiert Vattenfall für eine stärkere Elektrifizierung von Wärme, Verkehr und Industrie. Das Unternehmen verweist darauf, dass bei Wind- und Solarenergie keine Brennstoffkosten anfallen. Zusätzliche Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge und elektrifizierte Industrieprozesse könnten deshalb den Bedarf an fossilen Energieträgern und damit die Abhängigkeit von internationalen Öl- und Gasmärkten verringern.
Vattenfall stellt dazu eine Modellrechnung auf: Würde der fossile Energiebedarf Deutschlands um ein Viertel sinken, könnten bei gleichbleibenden Preisen nach Berechnungen des Unternehmens fossile Importausgaben von rund 20 Mrd. Euro jährlich vermieden werden.
Die Forderung nach einer stärkeren Elektrifizierung verbindet Vattenfall mit der eigenen Investitionsstrategie. Der Konzern investiert nach eigenen Angaben unter anderem in Offshore-Windenergie, Batteriespeicher und Pumpspeicherkraftwerke sowie in Lösungen für die Dekarbonisierung von Wärme und Verkehr. Zu den derzeit größten Projekten gehört der Offshore-Windpark Nordlicht. Nach vollständiger Inbetriebnahme soll das Projekt jährlich rund 6 TWh (6 Mrd. kWh) Strom erzeugen.
EU will Abhängigkeit von fossilen Energieimporten reduzieren - Importkosten sollen sinken
Die von Vattenfall hervorgehobene Importabhängigkeit ist auch ein zentraler Bestandteil der europäischen Energiepolitik. Nach Angaben der EU-Kommission gab die Europäische Union 2025 rund 340 Mrd. Euro für den Import fossiler Energieträger aus. Mit dem beschleunigten Ausbau sauberer Energien will die EU deshalb nicht nur ihre Energieversorgung resilienter machen, sondern auch die Ausgaben für fossile Energieimporte reduzieren.
Die Abhängigkeit bleibt hoch: 2024 deckte die EU 57 Prozent ihres Energiebedarfs durch Nettoimporte. Von den Energieimporten entfielen zusammen 91 Prozent auf Öl und Ölprodukte sowie Erdgas. Mit AccelerateEU will die EU-Kommission Investitionen in erneuerbare und andere saubere Energien, Netze und Speicher beschleunigen und damit die Abhängigkeit von internationalen Energiemärkten verringern.
Vattenfalls Forderung nach einem schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien und einer stärkeren Elektrifizierung fügt sich damit in diese energiepolitische Entwicklung ein. Sinkt der Verbrauch von Öl und Gas, können neben den CO2-Emissionen auch die Ausgaben für fossile Energieimporte zurückgehen. Die aktuelle Preisentwicklung rückt damit den Zusammenhang zwischen fossiler Importabhängigkeit, Energiekosten und Elektrifizierung erneut in den Vordergrund.
© IWR, 2026
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