Volle Speicher in Portugal: Gasspeicher in Deutschland erreichen 60 Prozent Füllstand
Münster - Die Gasspeicher in Deutschland füllen sich trotz der gedrosselten Gaslieferungen über die Gaspipeline Nord Stream 1. Aktuell beträgt der Füllstand in Deutschland laut den Daten des Verbandes Gas Infrastructure Europe (GIE) 60,26 Prozent, die Gasspeicher auf EU-Ebene sind zu 57,12 Prozent gefüllt.
Die Tages-Einspeicherungsrate für Deutschland schwankt aktuell zwischen 0,3 und 0,4 Prozent. Um die deutschen Gasspeicher auf einen Füllstand von 100 Prozent zu heben, braucht es bei diesem Einspeisetempo damit noch ca. 4 Monate.
Russland hat die Gas-Lieferung durch die Pipeline Nord Stream 1 bereits gedrosselt, Mitte Juli 2022 steht eine mehrtägige Wartung der zwei Stränge bevor. Ob eine Wiederaufnahme des Gastransports nach der Wartung von Nord Stream 1 erfolgt, ist ungewis. Der Gastransport über die Türkei (Turkish Stream) wurde nach den jetzt abgeschlossenen Wartungsarbeiten (21. bis 28. Juni 2022) jedenfalls planmäßig wieder aufgenommen. Das meldet die russische Nachrichtenagentur Interfax.
Von den EU-Ländern weist Portugal den höchsten Füllstand auf, die Gasspeicher sind hier zu 100 Prozent voll. Dahinter rangiert Polen mit 97,09 Prozent vor Dänemark (79,41%), Tschechien (75,33%), Spanien (72,08%) und Frankreich (60,86%).
Frankreich erhält kein russisches Gas mehr, sieht sich aber trotzdem gut gerüstet. Das liegt auch daran, dass Frankreich vergleichsweise weniger Gas benötigt als andere EU-Länder. So heizen die Franzosen beispielsweise vor allem mit Strom und nicht mit Erdgas wie in Deutschland. Das Problem in Frankreich liegt aktuell auf der Stromseite, denn zahlreiche Atomkraftwerke sind und bleiben wegen technischer Probleme abgeschaltet. "Im Winter 2022/23 droht in Frankreich eine Stromlücke, in Deutschland eher eine Gaslücke", so IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch in Münster.
Frankreich baut zudem ein neues LNG-Terminal in Le Havre, das aber erst im September 2023 in Betrieb gehen soll. Auch die erneuerbaren Energien sollen in Frankreich weiter ausgebaut werden. So hat die französische Regierung im März 2022 den Start für die Ausschreibungen von zwei schwimmenden Offshore Windparks (Floating Offshore) mit je 250 MW Leistung im Mittelmeer bekannt gegeben. Allerdings sollen die beiden Parks erst 2030 den Betrieb aufnehmen.
© IWR, 2026
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