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Schweizer Atomkraftwerke fahren Milliarden-Verluste ein

Münster - Die Schweizer Atomkraftwerke sind nicht so profitabel wie immer vorgegeben, sondern ein gewaltiges Verlustgeschäft. Ein ungewöhnliches Eingeständnis kurz vor der Schweizer Volksabstimmung über einen schnellen Atomausstieg. Die AKW-Betreiber suchen offenbar verzweifelt nach einer für sie kostengünstigen Exit-Strategie.

Am 27. November 2016 stimmen die Schweizer über einen schnellen Atomausstieg ab. Ausgerechnet jetzt wird bekannt, in welch prekärer finanzieller Lage Schweizer Atomkraftwerke stecken. Am Ende könnte es möglichweise egal sein, wie abgestimmt wird.

Milliarden-Verluste durch AKW-Betrieb statt Gewinne

Den vom Schweizer Energieversorger Alpiq betriebenen Atomkraftwerken Gösgen und Leibstadt steht das Wasser offenbar bis zum Hals. Nach einem Bericht des Schweizer Tagesanzeigers macht die Schweizer Stromproduktion jährlich 2 Milliarden Franken Verlust. Die Hälfte kann an die Endkunden weitergegeben werden, aber 1 Milliarde Franken bleibt an den Produzenten ohne Endkunden – wie die Alpiq oder auch dem Konkurrenten Axpo – hängen, so der Tagesanzeiger. Auch die Perspektiven sind trüb: In den nächsten 10 Jahren werden die Schweizer AKW nur Verluste einfahren, wird der Alpiq-Verwaltungsratspräsidenten Jens Alder zitiert. Was danach komme, wisse niemand.

Schweizer AKW will niemand haben - auch nicht geschenkt

Der AKW-Betreiber Alpiq hat auf die miserable Finanzsituation reagiert und will die zwei Atomkraftwerke schnellstens loswerden. Allerdings wollte bisher weder die französische EDF noch irgendein anderes EU-Unternehmen die Schweizer Atomkraftwerke, nicht einmal geschenkt. Laut Tagesanzeiger will die Alpiq nun die Atomkraftwerke liebend gern an den Bund verkaufen, gegen einen symbolischen Preis von 1 Franken.

Volksabstimmung ändert nichts an den Fakten - Schweizer Steuerzahler wird zahlen müssen

Am 27. November 2016 sind die Schweizer per Volksabstimmung aufgerufen, über einen schnelleren Atomausstieg in der Schweiz abzustimmen. Allerdings könnte das Ergebnis der Abstimmung zweitrangig sein und nur symbolische Bedeutung haben.

Stimmen die Schweizer für den schnellen Ausstieg, dürften die AKW-Betreiber gegen den Bund auf Schadenersatz klagen, um so die Verluste zur reduzieren. Stimmen die Schweizer gegen den schnellen Ausstieg, werden die AKW-Betreiber mit dem bevorstehenden finanziellen Kollaps drohen und auf die Abriss- und Endlagerkosten verweisen, ähnlich der Debatte in Deutschland. Im Ergebnis erhält der Schweizer Steuerzahler die schmerzliche Endabrechnung - und wird die hohen Folgekosten zahlen.

© IWR, 2016

07.11.2016

 



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