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Erneuerbare Energien: IRENA-Chef erwartet 2026 erstmals weniger Zubau - Stromnetze bremsen Wachstum

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Abu Dhabi - Nach einem weltweiten Rekordzubau von rund 693 GW im Jahr 2025 erwartet IRENA-Generaldirektor Francesco La Camera für 2026 erstmals seit fünf Jahren einen geringeren jährlichen Zuwachs erneuerbarer Energien. Als Hemmnisse nennt er unzureichende Stromnetze und Handelsbeschränkungen.

Der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien hat in den vergangenen Jahren erheblich an Dynamik gewonnen. Mit der wachsenden Wind- und Solarleistung rücken die Integration in die Stromsysteme, der Netzausbau und flexible Strommärkte stärker in den Mittelpunkt. Der IRENA World Energy Transition Outlook 2026 beziffert die Investitionen, die für eine weitere Beschleunigung erforderlich wären.

Nach Rekordzubau 2025: IRENA-Chef erwartet 2026 geringeren Zuwachs
Im Jahr 2025 stieg die weltweit installierte Leistung erneuerbarer Energien nach dem IRENA World Energy Transition Outlook 2026 um 693 GW auf 5.155 GW. Damit erreichte der jährliche Zubau einen Höchststand. Erneuerbare Energien stellten zum Jahresende etwa die Hälfte der weltweit installierten Kraftwerksleistung.

In einem Gespräch mit Reuters am Rande der Singapore International Energy Week verwies La Camera darauf, dass der Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten schneller voranschreite als der Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze. Auch Handelsbeschränkungen erschwerten die Entwicklung.

Eine konkrete Prognose für den weltweiten Zubau 2026 nannte La Camera nicht. Nach seiner Einschätzung dürfte das Wachstum in anderen Weltregionen nicht ausreichen, um die Abschwächung in China auszugleichen.

China: Solarzubau nach schwachem Halbjahr im dritten Quartal wieder über Vorjahr
China bleibt der weltweit größte Markt für erneuerbare Energien. Ende September 2026 überschritt die installierte Wind- und Solarleistung nach Angaben der National Energy Administration (NEA) erstmals 2.000 GW. Der Anteil erneuerbarer Energien an der chinesischen Stromerzeugung erreichte in den ersten neun Monaten 41,8 Prozent.

Bei den Neuinstallationen zeigt sich eine deutliche Abschwächung der Photovoltaik. Von Januar bis September 2026 wurden 110,83 GW Solarleistung neu installiert, nach 240,27 GW im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Rückgang um rund 54 Prozent. Der Windenergie-Zubau blieb mit 60,7 GW gegenüber 61,1 GW nahezu stabil.

Der Rückgang der Photovoltaik konzentrierte sich auf das erste Halbjahr. In diesem Zeitraum sank der Zubau um rund 66 Prozent auf 72,07 GW. Im dritten Quartal 2026 wurden dagegen rund 38,8 GW neu installiert, etwa 38 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Auch im September lag der Zubau mit 13,64 GW um rund 41 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Der starke Rückgang in der Neun-Monats-Bilanz ist wesentlich durch das außergewöhnlich hohe Vergleichsniveau des Vorjahres geprägt. Seit Juni 2025 gelten in China veränderte Regeln für die Stromvermarktung und Preisabsicherung neuer Wind- und Solaranlagen. Der Stichtag setzte Anreize für vorgezogene Inbetriebnahmen. Welchen Anteil diese Vorzieheffekte am Rückgang 2026 haben, lässt sich allerdings nicht quantifizieren.

Parallel investiert China in die Integration der wachsenden erneuerbaren Stromerzeugung. Ende September waren neue Energiespeicher mit 167 GW installiert, 63 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

IRENA: Für 1,5-Grad-Pfad mehr als doppelt so hohe Netzinvestitionen erforderlich
Der World Energy Transition Outlook 2026 der IRENA verdeutlicht die Bedeutung von Stromnetzen und Speichern. Nach IRENA-Angaben lagen die weltweiten Netzinvestitionen 2025 bei 422 Mrd. US-Dollar. Für einen mit dem 1,5-Grad-Ziel vereinbaren Entwicklungspfad wären zwischen 2026 und 2035 durchschnittlich 1.049 Mrd. US-Dollar jährlich erforderlich.

Hinzu kämen jährlich 234 Mrd. US-Dollar für Speicher und weitere Flexibilitätsmaßnahmen. Zusammen ergibt sich ein jährlicher Investitionsbedarf von 1.283 Mrd. US-Dollar für Netze und Flexibilität. Das sind Anforderungen des IRENA-Szenarios, keine Prognose tatsächlicher Investitionen.

Der Ausbau der Netzinfrastruktur soll größere Mengen erneuerbaren Stroms zuverlässig in die Versorgung einbinden. Neben Übertragungs- und Verteilkapazitäten gewinnen Speicher, flexible Stromverbraucher und die Abstimmung zwischen Erzeugung und Nachfrage an Bedeutung. Der hohe Investitionsbedarf eröffnet zugleich langfristige Marktchancen für Anbieter von Netz- und Speichertechnologien.

IRENA: Für 1,5-Grad-Pfad jährlich mehr als 1.300 GW Zubau erforderlich
Die kurzfristige Abschwächung des EE-Ausbaus ändert nichts an den langfristig hohen Ausbauanforderungen. Im Planned Energy Scenario, das bestehende politische Planungen und Maßnahmen berücksichtigt, geht IRENA bis 2035 von einem durchschnittlichen jährlichen Nettozubau von 619 GW erneuerbarer Leistung aus. Für den 1,5-Grad-Pfad wären dagegen jährlich mehr als 1.300 GW erforderlich.

Der erwartete Rückgang 2026 bedeutet daher nicht zwangsläufig eine Trendwende. Die Entwicklung in China zeigt, wie stark regulatorische Veränderungen und außergewöhnliche Vorjahreseffekte den jährlichen Zubau beeinflussen können. Zugleich verdeutlicht der IRENA-Bericht, dass die weitere Beschleunigung des weltweiten Erneuerbaren-Ausbaus zunehmend von Investitionen in Stromnetze, Speicher und geeignete Marktstrukturen abhängt.

© IWR, 2026


03.11.2026

 



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