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Studie: Hitzewellen könnten mehrere Kornkammern der Welt gleichzeitig treffen

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Potsdam - Spezifische Wellenmuster im Jetstream - einem die Erde umzirkelnden Höhenwind - können gleichzeitige Hitzewellen in die Weltregionen bringen, die für bis zu einem Viertel der globalen Nahrungsmittelproduktion verantwortlich sind. Das zeigen Kai Kornhuber vom Earth Institute in New York und ein internationales Team in einer neuen Studie in Nature Climate Change. Besonders anfällig sind demnach der Westen Nordamerikas und Russlands, Westeuropa und die Ukraine. Extreme Wetterereignisse in diesem Ausmaß können die weltweite Nahrungsmittelproduktion erheblich beeinträchtigen und damit die Preise in die Höhe treiben.

„Wir haben eine bislang unterschätzte Anfälligkeit des Nahrungsmittelsystem entdeckt: Wenn diese Muster im Jetstream weltweit auftreten, haben wir ein zwanzigfach erhöhtes Risiko für gleichzeitige Hitzewellen in wichtigen Anbaugebieten", so Kornhuber, der auch Gastwissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist. „Eigentlich ist die Zirkulation des Jetstream chaotisch, aber bei derartigen Ereignissen ergibt sich tatsächlich eine globale Ordnung."

„Die Hitzewellen werden künftig durch die menschengemachte globale Erwärmung häufiger gleichzeitig verschiedene Gegenden über den Globus verteilt treffen, und sie werden auch noch heftiger werden", fügt Jonathan Donges, Ko-Autor und Ko-Leiter des PIK FutureLabs 'Erdsystemresilienz im Anthropozän' hinzu. Das wirke sich unter Umständen nicht nur auf die Nahrungsmittelverfügbarkeit in den direkt betroffenen Regionen aus. Sogar entlegenere Regionen könnten in der Folge von Knappheiten und Preissteigerungen betroffen sein.

Künftige Forschung muss aus Sicht der Klimawissenschaftler daher auch die Anfälligkeit der globalen Pflanzenproduktion und des internationalen Agrarhandels bei gleichzeitig auftretenden Extremwetterlagen in großen Anbauregionen untersuchen. Ein gründliches Verständnis der Faktoren, die das beobachtete Jetstream-Verhalten antreibt, könnte letztendlich die saisonalen Vorhersagen der landwirtschaftlichen Produktion auf globaler Ebene und die Risikobewertungen von Ernteausfällen über mehrere wichtige Anbauregionen hinweg verbessern, so Kornhuber.

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11.12.2019